Der Wert zu leben

Es gibt in meinem Leben eine tägliche Routine aus Meditation und energetischer Klärung, die Anhaftungen entfernt und Altlasten neutralisiert oder integriert. Dabei stelle ich fest, dass es fast jeden Tag etwas Neues gibt, was sich z.B. im karmischen Körper zeigt und in meiner Befindlichkeit wirkt. Heute weiß ich mich darum zu kümmern, früher hätte das Ganze seinen Weg in die Physis, in mein Denken und Fühlen gefunden. Entweder in Gestalt von Konflikten, Erkrankungen oder „dummen Zufällen“.

Im Laufe vieler Jahre hat diese Routine auch mein Selbstbild verändert, wobei die Frage, wer oder was das „Ich“ ist, mich stets begleitet. Im selben Atemzug hat sich auch das Verhältnis zu meinem Leib, in dem ich die Welt 5-sinnig erfahre, immer wieder gewandelt .

Es gab eine Zeit, da habe ich über meinen Körper nicht besonders positiv gedacht. Ein Vehikel, das ständig genährt und gepflegt werden wollte, das gegen meinen ausdrücklichen Wunsch ein paar Kilos zulegte, nicht zuletzt alternd an Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit verlor und mein Gesicht zusehends in Falten legte. Körperliche Bedürfnisse und die Neigung, an jeglicher Art von Sinnesfreuden zu hängen, schienen mir immer stärker einem Gefängnisaufenthalt zu ähneln, als dass ich einen „Tempel Gottes“ bewohnt hätte.

Lange habe ich gehadert, auch noch als ich den „Eingang des Fuchsbaus“ entdeckte und in schamanische Wirklichkeiten zu reisen begann. Doch je mehr ich mich mit den dortigen Gesetzmäßigkeiten der unsichtbaren Welt vertraut machte, umso mehr veränderte sich der Blickwinkel auf das, was ich gemein hin für real hielt.

Diese Veränderung verlief in etwa so:

Phase 1: Ich bin mein Körper.

Phase 2: Ich bin nicht mein Körper.

Phase 3: Ich bin doch mein Körper, aber wer ist Ich?

Phase 4: Es gibt gar keinen Körper und ich bin viele.

Phase 5: Alles ist im Fluss, aber auch alles

Die Antwort auf die Frage: „Wer ist Herr in meinem Haus“ blieb vorerst verborgen, aber mein Standpunkt zur Körperlichkeit entspannte sich immer mehr. Aus dieser auch verwirrenden Leichtigkeit des Seins flossen eines Sonntagmorgens die folgenden Überlegungen:

Die meisten Menschen halten sich für ihren Körper, bzw. jemanden, der in einem Körper herumläuft, etwas, das sie morgens im Spiegel anschaut. Dieser Körper ist mehr als ein Vehikel, er ist VERKÖRPERUNG. Man könnte auch sagen: Der physische Körper ist ein Endbahnhof, die Endstation, an der alle Züge irgendwann in diesem Leben ankommen. Ein Zug steht in diesem Bild für eine Erfahrung, die irgendwann im Laufe dieses oder eines der ungezählten anderen Leben noch nicht beendet wurde. Offene Rechnungen. Diese Erfahrungen sind unterwegs zu mir. Ihr Ziel ist die Endstation.

Fährt ein Zug (eine unerlöste Erfahrung) ein, so hat das Auswirkungen auf meinen physischen Körper, auf mein Befinden, meine Wahrnehmung, mein Denken. Vielleicht wird mein Körper krank. Im Moment, wo ich krank werde, weiß ich nun, dass ein oder mehrere Züge, d.h. unvollendete Erfahrungen angekommen sind, die nun gelebt und nach Möglichkeit gelöst werden wollen. Im physischen Körper treffen sich Vergangenheit und Zukunft im Hier-und-Jetzt.

Unser physischer Körper – präziser: unsere Verkörperung – die wir oft so leichtfertig für verlässlich und stabil erachten, ist in Wirklichkeit ein einziger PROZESS, der aus zig Dimensionen gespeist wird. Er ist ein Geschenk, das unsere Seele bei der Zeugung erhielt. Er ist nicht unsere Schöpfung – oder etwa doch?  Hilfreiche Fragen hierzu: „Wer spricht?“ und: “Wer schöpft?“

Für mich bedeutet dies, dass der Körper und damit die sinnlich erfahrbare Welt wichtig sind. Das ist nicht banal, es ist revolutionär. Sie sind die Verkörperung von was weiß Gott und eine vielleicht einmalige Chance, Dinge wieder ins Lot zu bringen.

Erweitern wir zum Schluss den Blickwinkel vom physischen Körper auf ALLES.

Was wäre, wenn die gesamte physische 3D-Welt ein gigantischer, komplexer Bahnhof für unzählige individuelle und kollektive Erfahrungen wäre, die endlich ans Ziel kommen wollen? Erfahrungen unzähliger irdischer und wahrscheinlich auch nichtirdischer Wesenheiten, die diesen Planeten immer wieder für eine Zeit lang bewohnen?

Die besten Fragen erfordern Geduld, lauschen wir der Antwort ohne Erwartung.

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